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Kaninchenhoffnung „goes Meerschweinchen“

Obwohl der Name unserer Initiative doch relativ eindeutig ist, erhalten wir hin und wieder auch immer mal Anfragen, andere Tierarten betreffend. Im Rahmen unserer langjährigen Tätigkeit im Tierschutz hat jeder von uns natürlich auch entsprechende Erfahrung und wir verfügen über ein weitgreifendes Netzwerk. Auch privat hatte oder haben die meisten von uns nicht nur Kaninchen. Und so „kümmern“ wir uns eben auch immer wieder z. B. um Farbmäuse, Degus, Ratten, Chinchillas oder eben Meerschweinchen.

Zum Glück hat die lange, immer wiederkehrende Aufklärung irgendwann gefruchtet und die schlimme Haltungsform, ein Kaninchen mit einem Meerschweinchen zusammen zu kerkern, sieht man so gut wie nicht mehr. Dennoch „verirren“ sich immer wieder auch mal Meerschweinchen bei Kaninchen-Notfällen, die dann natürlich mit aufgenommen werden müssen. So wurde mit mehreren Kaninchen auf einer Pflegestelle in Bayreuth auch eine kleine Meeri-Dame mit „angespült“ und von der dortigen Tierschützerin liebevoll mit versorgt. Auch sie saß wohl, wie die Kaninchen, die ersten beiden Jahre ihres Lebens in einer winzigen Box und war glücklich, nun erstmals etwas mehr Platz zum Flitzen zu haben.

Grundsätzlich halten wir die Gruppenhaltung von Kaninchen und Meerschweinchen für eine wunderbare Sache, wenn alle Bedingungen für die Tiere stimmen – natürlich ausreichend Artgenossen und ebensolchen Platz, dazu natürlich noch Fachwissen über beide Tierarten, dies sollte immer Voraussetzung sein. All das erfüllt Nicole Blay aus Waldsassen. Ihr haben wir über die Jahre schon öfter sowohl Kaninchen, als auch Meerschweinchen vermittelt und als wir von dem Fall hörten, war sie die erste, bei der wir direkt nachfragten.

In ihrem Haus hat Nicole den kompletten Dachboden zum Meeri-Kaninchen-Paradies umgestaltet. In drei Zimmern können ihre derzeit drei Kaninchen (Knoppers, Candy und Milka kommen aus dem Tierheim Amberg) sowie fünf Meerschweinchen (alle aus dem Tierschutz) nach Herzenslust rennen und hoppeln oder sich in zahlreichen Röhren, Häuschen und Kartons verkriechen. So viel Raum bietet den Tieren immer die Möglichkeit zu entscheiden, wer gerade Nähe zu anderen sucht oder für sich sein möchte. Wunderschön zu beobachten, dass eben auch Kaninchen und Meerschweinchen durchaus gegenseitig Körperpflege betreiben.

Da jedoch beide Tierarten auch in einer für sich separaten Gruppe leben und die der Meerschweinchen in der idealen Konstellation eines Kastraten mit mehreren Weibchen, sollte die Option, ein weiteres dazu zu vergesellschaften kein größeres Problem sein. So sagte Nicole, als wir ihr von unserem „Notfall“ eines einsamen Meerschweinchens berichteten, auch spontan zu, die Kleine aufzunehmen. Vorher wurde sie jedoch auf der Pflegestelle noch aufgrund einer Verletzung an einer Zitze tierärztlich versorgt. Dann stand dem Umzug nichts mehr im Wege und wir brachten „Cinderella“, wie sie von Nicole getauft wurde, in ihr neues Zuhause nach Waldsassen. Zunächst zog sie dort noch in eine Quarantäne-Unterkunft, bis sie den Tierarzt-Check nächste Woche durchlaufen hat. Danach steht der Vergesellschaftung mit ihren neuen Freunden und einem Leben in der großen bunten Gruppe endgültig nichts mehr im Wege!

Petra & Schnuffel – auch EC-Kaninchen dürfen glücklich sein!

Normalerweise sollen und wollen Tierheime ihre Schützlinge vermitteln, doch besondere Umstände erfordern manchmal ebensolche Maßnahmen, so auch im Fall von Petra. Die hübsche graue Häsin kam im April 2016 aus einer Beschlagnahmung mit annähernd 10 Kaninchen ins Tierheim Amberg. Irgendwann blieb sie aus dieser Gruppe mit ihrem Partner Peter als Pärchen übrig. Wie alt sie damals schon war, wusste niemand, geschätzt wurde sie auf ca. 1 bis 3 Jahre.

Die Integration des Paares in die Kaninchen-Gruppen des Tierheims gestaltete sich schon immer etwas schwierig, Petra zeigte sich anderen gegenüber sehr dominant. Sie liebte halt einfach nur ihren Peter. Zum Unglück brach bei beiden dann auch noch EC aus, so dass man sich entschied, das Paar einfach für sich zu halten, womit sie all die Jahre glücklich waren. Bis Peter tragischerweise Ende 2020 wohl altersbedingt verstarb und Petra in tiefe Trauer verfiel. Die Mitarbeiter in Amberg wollten sich dies natürlich nicht lange anschauen und wandten sich hilfesuchend an uns, ob wir in unserem Netzwerk evtl. einen Platz für Petra finden könnten, wo sie auch als EC-erkranktes Tier noch ein altersgerechtes Leben in Gesellschaft haben dürfte.

Und manchmal kommt eben das Schicksal auch für Kaninchen mit einer riesigen Portion Glück daher. Denn wir entdeckten auf der Vermittlungsseite von Eva Hovasse, die in der Nähe von Kulmbach eine professionelle Pflegestelle, unter anderem eben für Kaninchen betreibt, die Anzeige für Schnuffel. Der Kastrat ist ein auch schon 8-jähriges EC-Kaninchen, dessen Partnerin verstorben war und für den ein Platz gesucht wurde. Die Frage war nun: Würde Amberg ein zusätzliches, sogar krankes Tier aufnehmen und würde die Besitzerin von Schnuffel ihn in die Obhut eines Tierheims geben? Wir baten Eva Hovasse, Kontakt mit Schnuffels Besitzerin aufzunehmen, wir wiederum schlugen die Idee den Mitarbeitern in Amberg vor. Was man vielerorts vielleicht nicht getan hätte, wurde dort umgesetzt: Das Wohl der Kaninchen wurde über das wirtschaftliche Interesse gestellt. Schnuffel wurde aufgenommen, von seiner Besitzerin selbst nach Amberg gebracht und die Vergesellschaftung der beiden sorgfältig vorbereitet.

Als wären beide tatsächlich einfach nur glücklich, nicht mehr allein zu sein, zeigten Schnuffel und Petra von Anfang an Sympathie füreinander. Anfangs zögerlich, doch inzwischen haben sie verstanden, dass das Schicksal ihnen ein riesiges Geschenk gemacht hat, zu welchem die komplikationslose Zusammenarbeit im Tierschutz, die nicht immer selbstverständlich ist, mit dazu beigetragen hat. Wir hoffen sehr, dass die beiden noch eine lange gemeinsame Zeit in Amberg verbringen dürfen.

Keine Infostände im Jahr 2020. Und im Jahr 2021?

Das Jahr 2020 klingt nun ja langsam aus und es gab Aufgrund der Coronakrise keine Infostände der Kaninchenhoffnung im laufenden Jahr, was vor allem natürlich an den fehlenden Tierheimfesten lag, die allesamt abgesagt werden mussten.

Einen Ausblick auf das kommende Jahr 2021 zu treffen ist schwierig, aber da es gerade in diesen Tagen wieder steil nach oben geht mit den Coronafallzahlen gehen wir davon aus, dass auch 2021 ein ähnlich schwieriges Jahr wird. Deshalb werden von unserer Seite erst einmal keine Infostände für das kommende Jahr geplant. Falls sich an der Corona-Situation etwas grundlegend zum Besseren ändern sollte, werden wir gegebenenfalls darauf reagieren, aber so wie es momentan aussieht, ist damit eher nicht zu rechnen.

Wir wünschen euch weiterhin alles Gute und bleibt gesund.

Oreo – dem Tod davon gehoppelt

Liesl und Oreo

Es gibt es tatsächlich, dieses sprichwörtliche Schicksal. Und dieses „richtige Gespür“, das wir im Tierschutz einfach immer wieder haben, wenn wir wissen, dass eine Sache passt oder dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt richtig ist, auf eine gewisse Weise zu handeln, wenn ein Tier eben „seinen“ Menschen gefunden hat.

Dem kleinen Oreo hat genau dieser Umstand zu einem neuen Leben verholfen. Er nämlich sollte, obwohl er nicht einmal ein Kilo schwer war, im Kochtopf seines Züchters landen. Normalerweise gehört es nicht zu unserem Aufgabenkreis, Tiere aus Ebay-Kleinanzeigen zu retten, da dies ein Fass ohne Boden wäre. Doch in diesem Fall hatte sich eine Frau verzweifelt an das Tierheim Amberg gewandt, die den Kleinen eben in einer Anzeige gefunden hatte und nun mit ihm quasi schon vor der Tür stand. Eine Option, ein solches Tier aufzunehmen, besteht auch für ein Tierheim nicht, doch da wir zusicherten, „irgendwie“ eine Lösung zu finden, wurde der verschreckte Winzling erst einmal in der Quarantänestation aufgenommen. Mit großen verängstigten Augen blickte er in die Welt und wegen seiner Ähnlichkeit mit dem schwarz-weißen Keks erhielt er den niedlichen Namen. Daran, dass dieses verschreckte Bündel jemals vergesellschaftet werden könnte, dachte zu diesem Zeitpunkt erst einmal noch niemand. Man konnte nur ahnen, dass sein bisheriges Leben kein Gutes gewesen sein musste.

Zufälligerweise hatte uns einige Zeit zuvor eine Kaninchenbesitzerin aus Marktredwitz kontaktiert. Einer dieser wenigen Glücksfälle, die wir uns immer wünschen, jemand mit Erfahrung, Traum-Haltung und der Bereitschaft, ggf. auch ein „Problem“-Kaninchen aufzunehmen. Der Partner ihrer Liesl war kurz zuvor verstorben und so suchte sie nach einem neuen. Und an wen dachten wir da natürlich sofort? Richtig? War es Bestimmung, dass Oreo gerade jetzt in unser Leben gekommen war?

Doch erst einmal war der Weg noch ein langer, denn Liesl musste sich erst einigen tierärztlichen Untersuchungen stellen, um gewisse Umstände abzuklären, was etwas Zeit und Aufwand in Anspruch nahm. Wir begleiteten ihre Besitzerin so gut es ging in der Beratung, bis schließlich fest stand, dass sie stabil genug für eine Vergesellschaftung sein würde. Doch dies gab uns auch Zeit, die bei Oreo ohnehin für die Kastration und auch seine Sozialisierung überbrückt werden musste. Jeden Tag schenkte man ihm im Tierheim Amberg Geduld und Zuwendung, die er damit dankte, dass er nach und nach seine Angst verlor und neugierig aus seinem Versteck kam, wenn er seine inzwischen vertrauten Pfleger erkannte.

Auch beim ersten Besuch von uns und Liesls Besitzerin präsentierte sich Oreo in bester Laune und man spürte die Herzchen nur so fliegen. Es stand sofort fest, da hatten sich zwei gefunden. Kein Wunder, dass es später dann beim Zusammentreffen von Oreo und Liesl nicht anders war. Man sieht, wenn die Harmonie zwischen Mensch und Tier stimmt, überträgt es sich und umgekehrt. Wir bilden eine Einheit.

Entspannt im neuen Heim

Das Kreuz mit den Ostermärkten

Der Frühling und damit auch die Osterzeit stehen vor der Tür, die uns Kaninchenbesitzern natürlich einerseits besonders viel Freude bereitet. Kaninchen, wohin man schaut. Nicht, dass wir nicht das ganze Jahr über das ein oder andere langohrige Deko-Tier in unserer Wohnung oder auf dem Balkon platziert hätten, doch in dieser Saison ist es „offiziell“ gerechtfertigt, nach Herzenslust unsere Lieblingstiere in allen Variationen überall um sich zu scharen. Auch in den Läden stapeln sich Kaninchen aus Holz, Plüsch, Keramik und natürlich Schokolade in den Regalen. In dieser Form erfreuen wir uns auch dem Anblick in großer Zahl. Doch gibt es auch eine dunkle Seite des Osterbrauchtums, bei der unsere Toleranz aufhört.


Leider findet man noch immer auf den Ankündigungen einiger Frühlings- und Ostermärkte Slogans wie „Osterzoo mit echten Tieren“, die zum angeblichen „Vergnügen für die ganze Familie“ ausgestellt werden. Oft sind es Küken, Lämmer, vor allem aber natürlich „Hasen“ (dass es sich dabei immer um Kaninchen handelt weiß der Laie ja kaum). Zur Verfügung gestellt werden die Tiere dabei meistens von Kaninchenzuchtvereinen. Auch Shoppingcenter zeigen vereinzelt noch Osterlandschaften mit echten Kaninchen, wobei hier glücklicherweise immer mehr davon abgegangen wird und man auf bewegliche Hasenpuppen zurückgreift, was kleine Kinder mehr fasziniert, als ein verschrecktes Tier, das sich meistens nur in sein Häuschen zurückzieht (so man ihm dies zur Verfügung stellt).


Dass Kaninchen Fluchttiere und extrem schreckhaft und stressanfällig sind, sollte man eigentlich nicht mehr erklären müssen. Sie der Tortur einer Ausstellung in engen Boxen auszusetzen, womöglich noch dem, von Kindern betatscht oder herumgetragen zu werden, widerspricht jeglichem Tierschutzgedanken, abgesehen davon, dass es allem widerspricht, was wir versuchen, in unserer Beratung den Menschen über diese wunderbaren Tiere zu vermitteln.


Alle, die im Tierschutz tätig sind, sollten daher, wo immer sie in nächster Zeit auf jene Ankündigungen mit Veranstaltungen stoßen, bei denen Kaninchen und andere Tiere zur Schau gestellt werden, freundlich darauf hinweisen, dass dies längst nicht mehr zeitgemäß ist und es Alternativen gibt.

Bettina Granegger

Weihnachts-Glück für Maxi

Erinnert Ihr Euch noch an Maxi? Unser unglückliches Oster-Kaninchen? Im April wurde er, nachdem er aus zweijähriger Haltung im engen Käfig herausgeholt worden war, von uns ins Tierheim Amberg gebracht. Dort wurden beim Routine-Check erst einmal Kokzidien festgestellt und Maxi musste länger als geplant in der Quarantäne bleiben. Doch irgendwann war seine Zeit der Einsamkeit vorbei, er wurde kastriert und durfte nach Absitzen der Frist zumindest in eine Gruppe umziehen.

Endlich begann für Maxi ein Leben mit Artgenossen. Der sanfte Kaninchenmann kam ohne Probleme sofort mit allen zurecht und zeigte sich bescheiden und angepasst. So lange genug Futter vorhanden war, war alles gut. Hierfür ist in Amberg ja immer gesorgt, ebenso wie für ausreichend Platz in den großen Gehegen für die Kaninchengruppen. Erst einmal war Maxi also zufrieden mit seinem Leben. Was jedoch trotzdem noch fehlte, war ein endgültiges Zuhause.

Vielleicht kennen die Facebook-Nutzer unter Euch die Seite „Plüschfüße“, auf der die Halterin von Berta und damals Otti mit liebenswertem Humor vom Alltag ihrer Kaninchen berichtet, die in freier Wohnungshaltung in der Nähe von Bayreuth leben. Täglich folgen unzählige User dieser Seite, nehmen Anteil, was diese Kaninchen so treiben. Und leider auch am traurigen Schicksal, als Otti unverhofft im Oktober über die Regenbogenbrücke hoppelte. Traurig sehnte sich Berta nach einem neuen Partner und durch den privaten Kontakt ihrer „Mama“ zu uns kam Maxi ins Spiel. So fuhr diese kurze Zeit darauf nach Amberg, um den Anwärter für ihre Berta kennenzulernen und zumindest für sie war es Liebe auf den ersten Blick. Wer kann diesem Charme auch schon widerstehen? Naja, Berta konnte es erst mal, wie sich herausstellte.

Für Maxi jedenfalls erfüllte sich ein Traum und er durfte zu seiner neuen Freundin und in ein Zuhause ziehen, das nur ihm gehören sollte. Was für Maxi jedoch im Vordergrund stand, war im ersten Moment weiterhin erst mal nur eins: Ausreichend Futter. Und so erfolgte eine der einfachsten Vergesellschaftungen in der Geschichte der Kaninchenhoffnung. Maxi zog bei Berta ein, schlief, fraß und war glücklich. Berta war anfangs noch etwas verwirrt über den neuen Mitbewohner, doch nach ein paar Tagen war auch sie von Maxi überzeugt und bald begannen die ersten zarten Annäherungsversuche.

Wir freuen uns sehr, bei all den sonst oft traurigen Schicksalen auch mal eine Geschichte mit Happy End erzählen zu können. Maxi darf nach einigen wirklich unschönen Jahren und einer hoffnungsvollen Zeit im Tierheim sein Weihnachtsfest nun so verbringen, wie es jedes Kaninchen, jedes Tier, verdient hat, nämlich geliebt!

PS: Wer noch weiter verfolgten möchte, was Maxi und Berta alles so erleben, kann dies bei Facebook auf der Seite „Plüschfüße“ tun.