Gruppen

Gruppenhaltung ist mit Sicherheit die schönste Haltungsform für Heimkaninchen, da sie den in der Natur bei Wildkaninchen bestehenden Koloniegruppen am ähnlichsten ist. Die Kaninchen interagieren sehr viel miteinander, sie liegen gerne dicht nebeneinander während der Ruhephasen, um zu kuscheln oder versammeln sich im großen Kreis um die Futterstellen, um gemeinsam zu „mümmeln“. In solchen Gruppen gibt es dann ähnlich wie bei Paarbeziehungen Freundschaften zwischen einzelnen Kaninchen, aber im Großen und Ganzen ist es wichtig, dass sich alle untereinander so gut verstehen, dass es keine größeren Reibereien gibt und jedes Gruppenmitglied jemanden zum Kuscheln hat. Innige Lieben wie bei manchen Paarhaltungen sollte man in größeren Gruppen nicht unbedingt erwarten, obwohl sie durchaus vorkommen können.

Wichtig bei Gruppenhaltung ist natürlich viel Platz zum Toben, Spielen, Ruhen und viele Versteckmöglichkeiten, damit auch Kaninchen am unteren Ende der Hierarchie immer ausreichende Möglichkeiten haben, sich bei Bedarf zurückziehen zu können. Wie auch in kleinen Gruppen oder Paarbeziehungen, sollte in großen Gruppen immer ausreichend Futter vorhanden sein, damit es nicht durch Futterneid zu unnötigen Spannungen innerhalb der Gruppe kommt, auch Trinknäpfe und Toilettenschalen sollten aus dem selben Grund vielfach vorhanden sein.

In größeren Gruppen gibt es zumeist mehrere „Chefs“. Sowohl bei den Häsinnen, als auch bei den kastrierten Rammlern bildet sich schnell eine Hierarchie, so dass es oft zwei Alphakaninchen gibt, eine „Chef-Häsin“ und einen „Chef-Kastraten“, die sich in der Regel akzeptieren und ihre jeweiligen „Untergebenen“ im Griff behalten. Aber auch hier mag es Unterschiede, je nach Gruppen, geben.

Die Hierarchien sind in größeren Gruppen mitunter sehr dynamisch, vor allem im Frühjahr kann es durchaus zu Kämpfen kommen, um die Rangordnung unter den Geschlechtergruppen neu zu gestalten. Aber auch unter dem Jahr ist so eine Neuordnung durchaus möglich. Manchmal kann eine überhöhte Aggressivität eines Gruppenmitgliedes jedoch andere Ursachen haben, als nur eine Neugestaltung der Hackordnung anzustreben, da Schmerzen, ausgelöst von einer vielleicht versteckten Krankheit, das Kaninchen antreibt oder es eine Krankheit bei einem anderen Gruppenmitglied wahrgenommen hat, dass es, ganz wie in der Natur üblich, nun aus der Gruppe zu vertreiben gilt, damit es keine Fressfeinde anlockt.

Bei Vergesellschaftungen zu größeren Gruppen (z.B. Anzahl 6 Kaninchen aufwärts), beachte man wegen der komplexeren Dynamik von größeren Gruppenverbänden, dass es viel länger dauern kann, ehe sich so eine Gruppe zusammenfindet und es mitunter auch viel heftiger in den Kämpfen „zur Sache“ gehen kann, aber selbst hier kann es mitunter auch mal schnell gehen. Vor allem ältere Kaninchen neigen oft weniger zu Aggressionen, aber wie immer gibt es hierbei natürlich Ausnahmen. Junge Kaninchen zu vergesellschaften geht in der Regel sehr problemlos, wenn man die normalen Vergesellschaftungsregeln beachtet, allerdings kommen hier oftmals die Probleme erst, wenn die Kaninchen in die „Pubertät“ kommen und ihre Grenzen austesten wollen. Da können dann sprichwörtlich „die Fetzen fliegen“ und so manches Kaninchen musste dann aus Sicherheitsgründen für sich oder andere schon so eine Gruppe wieder verlassen, die doch anfangs so harmonisch war. Das ist aber nichts ungewöhnliches und kommt immer wieder mal vor. Typisches Beispiel hierfür ist ein Wurf der zusammen heranwächst und es dann mit der Geschlechtsreife der Rammler oft zu Kämpfen mit bösen Verletzungen kommen kann, sogar trotz Frühkastration. Das muss aber nicht immer passieren, manchmal geht es auch glimpflich aus und alle vertragen sich irgendwann wieder, nachdem die Hierarchien geklärt wurden. Jedoch muss man erwähnen, dass diese „schwierige“ Phase der Pubertät und des Aufbegehrens manchmal erst nach 12 – 18 Lebensmonaten endet, danach ist dann der Charakter des Kaninchens weitestgehend festgelegt und man weiß als Halter, woran man bei dem betreffenden Kaninchen ist.

Gruppenhaltung ist eigentlich immer einer Paarhaltung vorzuziehen, wenn es irgendwie möglich ist. Auch kleine Gruppen mit nur 3 oder 4 Kaninchen sind schon gut, da es bei dem Verlust eines Mitgliedes durch Tod nicht sofort dazu kommt, dass ein einsames Kaninchen zurückbleibt, sondern in funktionierenden Gruppen dann die übrigen Kaninchen sich noch gegenseitig haben und man dann in Ruhe Zeit hat, sich zu überlegen, welches Kaninchen man ggf. neu in die Gruppe durch Vergesellschaftung integrieren möchte.

Vor allem für kranke oder behinderte Kaninchen sind kleinere Gruppen deshalb besser, da es hier umso schwieriger wird, auf die Schnelle jeweils ein neues geeignetes Partnerkaninchen zu finden.

Es sei noch erwähnt, dass es ab und an aufgrund schlechter oder noch nicht ausreichender Sozialisierung Kaninchen gibt, die nicht bereit für eine Gruppe sind. Solche Kaninchen sind dann unter Umständen besser in Paarhaltung aufgehoben. Das kann sich im Laufe der Zeit aber durchaus noch ändern, so dass auch solche Kaninchen gruppenverträglich werden.