Die Fellpflege

Die Fellpflege

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Gesündeste im ganzen Land?

Kaninchen sind sehr reinliche Tiere. Sie verbringen viel Zeit damit, sich zu putzen, „waschen“ sich das Gesicht mit den Vorderpfötchen, kämmen ihr Fell mit den Krallen und Zähnen und entfernen Schmutz aus ihrem Haarkleid. Mit ihrer Gelenkigkeit erreichen sie so gut wie jede Stelle ihres Körpers. Häufig putzen sie sich auch gegenseitig, was zum einen der Pflege dient, vor allem aber ihre Sympathie füreinander zeigt und ihre Verbundenheit miteinander festigt. Sogar Zecken entfernen sie sich mitunter gegenseitig.

Glatt und weich ist das Haarkleid, seidig schimmernd glänzt es im Licht. Stumpfes, glanzloses Fell, Schuppen oder kahle, eventuell gerötete Stellen sind meistens entweder ein Hinweis auf Parasiten, Krankheiten und Mangelerscheinungen oder auf starke Verwahrlosung in schlechter Haltung. Auch verfettete Kaninchen können Probleme haben, sich selbst zu putzen.

Gesunde Kaninchen mit natürlich strukturiertem Fell benötigen jedoch in der Regel wenig menschliche Hilfe, um sich sauber zu halten.

Der Frühling kommt, wo ist mein Sommerkleidchen?

Ungefähr zwei Mal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, wechseln Kaninchen ihr Haarkleid, bei unbeständigem Wetter kann es auch öfters zum Fellwechsel kommen. Das dickere Winterkleid wird gegen ein dünneres Sommerfell ausgetauscht und umgekehrt, auch in Innenhaltung.

 

Diese Fellwechsel sind von Tier zu Tier unterschiedlich stark ausgeprägt. Bei manchen dauert es nur wenige Wochen, andere verlieren monatelang büschelweise Haare und sehen in dieser Zeit bisweilen recht gerupft aus.

Während des Fellwechsels sollte man die Kaninchen regelmäßig bürsten, um die losen Haare zu entfernen. Gut geeignet sind Zupfbürsten, man kann aber auch einfach mit leicht feuchten Händen die Haare „rausstreicheln“.

Beim Putzen nehmen die Kaninchen mehr oder weniger viele Haare auf, die in den Verdauungstrakt gelangen, was zu massiven Gesundheitsproblemen führen kann. Oft findet man dann sogenannte „Köttelketten“, also Kotkügelchen, die wie Perlenschnüre aneinandergereiht sind, verbunden durch Haare. Können die Haare aber nicht ausgeschieden werden, bilden sich Bezoare, Haarballen, die im schlimmsten Fall einen Magen- oder Darmverschluss verursachen.

Deswegen ist es angebracht, während des Fellwechsels zusätzlich Ölsaaten wie Leinkuchen oder Schwarzkümmelkuchen anzubieten, um den Darminhalt gleitfähiger zu machen. Gerade bei Kaninchen mit längerem Fell oder Tieren, die sehr stark haaren, sollte man zusätzlich Malzpaste oder RodiCare Hairball verabreichen, damit die Haare ausgeschieden werden können. Auch die Partnertiere müssen unterstützt werden.

Ferner ist es sehr wichtig, den Kaninchen viel rohfaserreiches Frischfutter anzubieten, damit sie genügend Flüssigkeit zu sich nehmen, was die Ausscheidung der Haare begünstigt.

Bei Innenhaltung ist es angebracht, die Wohnung häufiger zu saugen und Teppiche auszuschütteln oder mit speziellen Teppichbürsten die Haare aus dem Gewebe zu entfernen, vor allem an den bevorzugten Schlaf- und Ruheplätzen der Kaninchen.

Noblesse oblige

Das Kaninchen wurde schon vor über zwei Jahrtausenden domestiziert. Seitdem wurden und werden unzählige Rassen gezüchtet, die gesunde, robuste Wildform nach menschlichen Wünschen und Eitelkeiten verändert. Das Wohl der Tiere war und ist leider höchstens zweitrangig. So gibt es einige Rassen, die auch in Bezug auf die Fellpflege zum Teil sehr anspruchsvoll sind.

 

Rassen, die mitunter wegen der Struktur ihres Fells ernsthafte Probleme bekommen können, sind zum Beispiel Rexkaninchen und Teddys. Vor allem während des Fellwechsels verursachen ihre Haare im Verdauungstrakt häufig Bezoare, auch bei den Partnertieren. Dies kann im schlimmsten Fall tödlich enden! Zu den Folgen finden Sie hier

https://kaninchenhoffnung.de/kaninchen-infos/gesundheit/bezoare-ein-erfahrungsbericht

den traurigen Erfahrungsbericht eines unserer Aktiven, dessen Rex-Satin-Kaninchen Sammy zwei Partnerinnen verlor und der selbst nur durch eine Notoperation und die wochenlange, aufopferungsvolle Pflege seines Halters gerettet werden konnte.

Auch Löwenköpfchen benötigen etwas mehr Aufmerksamkeit. Bei ihnen sollte das lange Fell am Kopf und am Popo hin und wieder gekürzt werden, vor allem im Sommer, um Probleme zu vermeiden.

Bei diesen Rassen heißt es während des Fellwechsels unbedingt bürsten, bürsten und nochmals bürsten! Ferner sollte man ihnen und ihren Partnern prophylaktisch in dieser Zeit regelmäßig Malzpaste/Rodicare hairball sowie Ölsaaten verabreichen und ganz besonders auf eine gesunde Ernährung mit rohfaserreichem Frischfutter achten.

Eine der sicherlich extremsten Zuchtformen bezüglich des Fells ist das Angorakaninchen. Genau genommen handelt es sich hier um eine genetische Mutation, bei der das Fell einfach nicht mehr aufhört zu wachsen. Tatsächlich haben Angorakaninchen das schnellste Haarwachstum im gesamten Tierreich, durchschnittlich wächst es 0,8 Millimeter pro Tag, nach der Schur sogar noch schneller! Während das französische Seiden- oder Satinangora immerhin noch in den Fellwechsel kommt, findet er bei deutschen Angorakaninchen praktisch gar nicht mehr statt. Beide benötigen sie jedoch unbedingt regelmäßige menschliche Hilfe, um gesund zu bleiben und sich wohl zu fühlen.

Eine detaillierte Beschreibung der besonderen Ansprüche dieser Kaninchen finden Sie in dem Untermenü-Punkt „Langhaarrassen“