Langhaarrassen

SPEZIAL: LanghaarrassenHow I love my Hippie life…

Angorakaninchen mit ihrem wuscheligen Fell, insbesondere Zwergangoras, sehen sehr niedlich aus, fast schon wie Plüschtiere.

Bei aller Niedlichkeit: Diese Tiere sind KEIN Spielzeug für Kinder und gehören NUR in die Hände sehr verantwortungsvoller Halter mit Kaninchenerfahrung! Weder Eltern noch Kinder und schon gar nicht die Kaninchen selbst würden sonst auf Dauer glücklich werden!

Ihre Pflege ist deutlich aufwendiger als die von Kaninchen mit normalem Fell. Sie müssen immer wieder nach Verfilzungen kontrolliert werden, die man gegebenenfalls aus dem Fell schneiden muss. Das Gesicht und die Augen müssen regelmäßig freigeschnitten werden, damit das Tier etwas sehen kann, den Popo muss man genauso regelmäßig auf Verschmutzungen kontrollieren und dort in jedem Fall das Fell kurz halten.

Während des Fellwechsels müssen Satinangoras täglich intensiv gebürstet werden; hier eignet sich eine Zupfbürste am besten. Gerade im Sommer sollte man die Wolle mit einer Bürste oder einem Kamm lichten und gegebenenfalls teilweise scheren, um eine Überhitzung der Kaninchen zu vermeiden.

Die Außenhaltung ist für Angoras nur sehr bedingt geeignet. Nässe führt dazu, dass das Fell verklebt und in sich zusammenfällt, Schmutz und kleine Zweige bleiben gern im Haarkleid hängen. Diese Faktoren beschleunigen das Verfilzen der Wolle. Je nach Größe der Verfilzungen schränken sie mehr oder weniger die Bewegungsfreiheit der Tiere ein, können schmerzhaft an der Haut ziehen und begünstigen Parasiten, Pilze und andere Hautkrankheiten. Außerdem würden Angorakaninchen nach der Schur (nicht nur) im Winter einen Kälteschock erleiden und sterben, bei Sonneneinstrahlung dagegen würde ihre empfindliche Haut verbrennen.

 

Auch bei der Wahl der Einstreu von Toiletten muss man mehr beachten als bei Kaninchen mit normalem Fell. Holz-/ Sägespäne sind nicht oder nur sehr bedingt geeignet. Sie bleiben im Fell hängen, was Verfilzungen zu Folge hat. Außerdem verteilen Angorakaninchen die Späne auch noch gleichmäßig in der Wohnung und man kommt mit dem Putzen kaum noch hinterher. Eine Möglichkeit ist, die Späne mit einer dicken Strohschicht zu bedecken, aber das funktioniert nur bei Tieren, die nicht sehr buddelfreudig sind. Am besten verwendet man Holz- oder Hanfpellets, die man aber ebenfalls mit Stroh abdecken sollte, weil sie pur zu hart für die Pfötchen sind.

With a little help from my friends…

Angorakaninchen, die nicht in den Fellwechsel kommen, müssen mindestens vier- bis fünf Mal im Jahr komplett geschoren werden. Wer also schon bei dem Gedanken an einen scharfen Gegenstand in der Nähe eines zarten Kaninchenkörpers Magendrücken bekommt, sollte von der Anschaffung von Angorakaninchen unbedingt Abstand nehmen, denn ein Angorakaninchen NICHT zu scheren ist Tierquälerei!

Bürsten sollte man sie hingegen nicht. Ihr Fell besteht aus Unterwolle, langem, manchmal welligem Vlies und ebenso langen, steifen Grannenhaaren. Letztere sorgen für die Stabilität des Fells. Durch Bürsten brechen die Grannen leicht ab, die Wolle verliert ihren Halt, fällt in sich zusammen und verfilzt.

Es gibt spezielle Scheren für Angoras im Handel, die leicht gebogen sind und abgerundete Spitzen haben. Gut bewährt haben sich aber auch professionelle Friseurscheren. Auf jeden Fall muss die Schere eine sehr gute Qualität haben, normale Haushalts- oder Papierscheren sind viel zu stumpf. Damit knickt man eher die Haare als dass man sie schneidet, wodurch das Scheren umso länger dauert und man dem Kaninchen auch noch weh tut. Nähscheren eignen sich auch nicht, weil sie zwar scharf genug, aber leider spitz sind und man die Tiere allzu leicht damit verletzt.

Natürlich kann man auch eine Schermaschine verwenden; erfahrungsgemäß funktioniert aber keine der für Hunde und/oder Katzen angebotenen aus dem Handel. Das Kaninchenhaar ist viel zu fein, es verstopft den Scherkopf innerhalb kürzester Zeit vollständig und die Maschine geht kaputt. Wer eine Schermaschine kaufen möchte, sollte am besten beim Tierarzt nachfragen, welche er verwendet, um Kaninchen vor Operationen zu scheren, und sie gegebenenfalls über den Tierarzt bestellen. Diese Geräte sind nicht gerade billig, lohnen sich aber auf jeden Fall, weil man damit gezielt Körperregionen scheren kann, wo die Verletzungsgefahr besonders hoch ist, gerade im Genitalbereich, im Gesicht, unter dem Kinn und zwischen den Pfötchen.

Ob man nun eine Schere, eine Maschine oder eine Kombination von beidem bevorzugt, in jedem Fall muss man als „Kaninchen-Coiffeur“ sehr liebevoll, ruhig und vor allem vorsichtig mit den Tieren umgehen. Anfangs kann sich die Prozedur über Stunden hinziehen („Verflixt, wo ist denn das Schwänzchen in dem ganzen Fell versteckt?!“). Gönnen Sie sich und dem Kaninchen nach einiger Zeit zwischendurch mal eine kleine Verschnaufpause und ein Leckerchen zur Versöhnun

Das Resultat sieht erstmal auch nicht gerade wie ein Meisterwerk der Friseurkunst aus. Nach und nach jedoch lernen sich Halter und Kaninchen immer besser kennen, das gegenseitige Vertrauen wächst. Die Kaninchen merken ganz genau, dass es ihnen danach viel besser geht, man wird zum eingespielten Team und das ganze Verhältnis zwischen dem Angorakaninchen und „seinem“ Menschen wird ausgesprochen innig.

Achten Sie darauf, die Tasthaare im Gesicht („Schnurrhaare“ neben dem Näschen und ein bis zwei jeweils über und unter den Augen) nicht mit abzuschneiden, das Kaninchen benötigt sie zur Orientierung.

Durch die Schur gerät logischerweise der Wärmehaushalt des Kaninchens stark durcheinander, es ist ja plötzlich quasi nackt. Deshalb muss man unbedingt Zugluft und Wind vermeiden und für Wärmequellen sorgen, bis es sich nach ca. 24 Stunden wieder akklimatisiert hat. Im Winter oder bei nasskaltem Wetter darf es auch die nächsten Tage nicht ins Freie/auf den Balkon gelassen werden, sonst droht ein (oft tödlicher!) Kälteschock.

Übrigens: Vorsicht beim Scheren vom Bauch weiblicher Kaninchen! Sie haben Zitzen, die man leicht verletzen kann.

Somebody to love

Über die Partnerwahl für solche Kaninchen sollte man sich ebenfalls Gedanken machen. Kaninchen, die sich mögen, putzen sich sehr gern gegenseitig und nehmen dabei auch Haare auf. Sehr kleine Zwergkaninchen können mit ihnen als Partner massive Gesundheitsprobleme bekommen, einfach weil auch ihr Verdauungsapparat logischerweise kleiner ist. Zu viele, lange Haare „verstopfen die Rohre“ und es bilden sich folglich verstärkt Bezoare (Haarballen).

Vor Vergesellschaftungen sollte das Fell von Angorakaninchen leicht gekürzt werden. Die Tiere reißen sich oft gegenseitig Fell aus, während sie sich jagen und ihre Rangordnung klären, das dann teilweise verschluckt wird. Außerdem kann das „aufgeplusterte“ Fell von anderen Kaninchen anfangs als Aggressionsanzeichen missverstanden werden. Eine komplette Schur ist dagegen ungünstig, weil das Fell hier auch als Schutz gegen Bissverletzungen dient.

In jedem Fall muss man langhaarige Kaninchen und ihre Partner prinzipiell aufmerksam beobachten und sie bei ersten Anzeichen von Haaren im Verdauungssystem (Köttelketten) mit Malzpaste/Rodicare Hairball unterstützen, bevor sich Haarballen bilden. Nur so kann man Schlimmeres verhindern.