Grundbedürfnisse

Eine wirklich “artgerechte” Kaninchenhaltung ist in der Heimtierhaltung natürlich nicht möglich. Das sollte jedem Halter von vorneherein klar sein. Durch die jahrhundertelange Zucht und “Verzüchtung” haben sich zudem die heutigen “Heimkaninchen” schon um einiges von ihren wildlebenden Vorfahren entfernt, so dass man sie auch nur noch bedingt mit Wildkaninchen vergleichen kann. So gibt es Arten, die für die ganzjährige Außenhaltung nur bedingt bzw. gar nicht geeignet sind, ihre Lungen und Herztätigkeit ist gegenüber Wildkaninchen eingeschränkt und sie haben durch rundere Kopfformen Problemen mit ihren Zähnen, um nur einige Beispiele zu nennen. Dennoch sollten Heimkaninchen bestmögliche Bedingungen vorfinden, die nahe an ihrem Ursprung liegen, damit sie ein erfülltes und glückliches Leben führen können.

Die häufigste Art der Haltung bei Kaninchen ist sicherlich die Innenhaltung. Auch wenn sie nicht so ideal wie die Außenhaltung ist kann man den Kaninchen hierbei aber trotzdem ein schönes Heim bereiten. Natürlich scheidet eine Käfighaltung hier völlig aus, da sie den Ansprüchen der sprung- und hoppelfreudigen Mitbewohner in keiner Weise genügen würden. Kaninchen haben einen ähnlichen hohen Platzbedarf wie Katzen, ein Käfig kann diesen Anspruch niemals erfüllen. Nimmt man Kaninchen die Möglichkeit ihr natürliches Wesen auszuleben, entzieht man ihnen nicht nur ein großes Stück ihrer Lebensfreude, sondern legt damit auch den Grundstein zu diversen Folgeerkrankungen, wie Fettsucht, die Hand in Hand mit Kurzatmigkeit und Muskelschwund geht, oder psychischen Problemen, wie stereotypes Verhalten oder Aggressivität. Kommt dann noch falsche Ernährung mit hinzu, ist ein schnelles Ableben der auf diese Weise gehaltenen Kaninchen keine Seltenheit.

Benötigt wird je nach Anzahl der Kaninchen:
– eine Fläche von wenigstens 8 – 10 qm auf einer Ebene für zwei Kaninchen, 2 – 3 qm zusätzlich für jedes weitere Kaninchen, gerne auch mehr Platz
– rutschfeste Unterlage z. B. waschbare Baumwollteppiche
– zwei oder mehr Toilettenschüsseln mit geeignetem Einstreu (Holzpellets, Holzeinstreu oder ähnliches
– mehrere Häuschen zum Verstecken und drin ruhen mit wenigstens 2 Eingängen pro Häuschen
– stabile Trinknäpfe, keine Nippeltränken
– Buddelkiste, Röhren, Heuraufen, Futtertunnels, Hängemattenhäuser, Lochziegelsteine, erhöhte Podeste mit Rampen usw. als Einrichtung für das Kaninchenareal
– Schutz vor Kabeln, Steckdosen, giftigen Pflanzen, eventuell die Tapeten mit Acrylglas sichern
– Kaninchen nicht der Zugluft oder der prallen Sonne aussetzen, für Schattenplätze sorgen, dennoch aber eine Möglichkeit schaffen, damit sie immer wieder mal direkte Sonne (ohne Glas) und damit Vitamin D tanken können

Im Folgenden werden drei Möglichkeiten einer relativ artgerechten Innenhaltung erläutert. Wie schon in den Stichpunkten angerissen wurde, sollten einige Sicherheitsvoraussetzungen für alle Innenhaltungsmodelle berücksichtigt werden. Tapeten sollten geschützt werden, da Kaninchen gerne diese nur zu gerne von den Wänden „ziehen“, ähnlich wie sie es in der Natur mit der schmackhaften Rinde junger Bäume machen. Kabel sollten gegen Verbiss gesichert werden, Steckdosen mit Kindersicherungen versehen werden, um diese möglichen Gefahrenquellen auszuschließen. Letztlich muss noch auf giftige Pflanzen und herabfallende Gegenstände (Kaninchen springen gerne auf Tische oder dergleichen, wenn sie können und befördern die dort befindlichen Gegenstände eventuell nach unten) geachtet werden.