Aggressivität

Stichpunkte
Generell:

– Bei plötzlich aggressivem Verhalten: eventuelle Krankheit/Schmerzen – Tierarzt konsultieren!

Aggression gegenüber Artgenossen

– Dauerhafte Unverträglichkeit zweier Kaninchen – Trennung der Streithähne und Vergesellschaftung in neuer Konstellation
– Schmerzen oder Krankheit eines Gruppenmitgliedes – sowohl “Aggressor”, wie auch “Leidtragender” könnten krank sein, unbedingt tierärztlich abklären lassen
– Platzmangel – ausreichend Platz zur Verfügung stellen
– Futterneid – für genügend Futter sorgen
– Fehlende Sozialisierung – Geduld haben und dem Tier einen in sich ruhenden, erfahrenen Partner geben

Aggression gegenüber Menschen

– Kaninchen sind revierbewusst – nicht plötzlich in ihr Territorium eindringen
– zu kleines Territorium – Platzangebot vergrößern
– Verlustängste – zu oft umgezogen mit dem Kaninchenrevier, Kaninchen zur Ruhe kommen lassen
– Keine starken Parfüms verwenden, Kaninchen erkennen „ihre“ Menschen auch am Duft
– Respektieren der Wünsche von Kaninchen, z.B. des Wunsches nach Ruhe
– Kaninchen nicht ärgern und piesacken
– Kaninchen sind Beutetiere! Behutsam sein, nicht von oben greifen (Assoziation Raubvogel), nicht in die Enge treiben
– Hektische Bewegungen, Lärm und Geschrei vermeiden
– Kaninchendamen verteidigen ihr Nest und ihre Kinder, auch scheinschwangere Weibchen
– Verstehen der Körpersprache, um Anzeichen von Unmut zu erkennen

 

Aggression gegenüber Sachen und Zerstörungswut

– Beschäftigungsmöglichkeiten geben, um Langeweile zu vermeiden
– Nagematerial zur Verfügung stellen
– Achtung Kabel!!! Unbedingt außer Reichweite von Kaninchen verlegen!!!
– Aggression als Übersprungshandlung, normalerweise nur kurz anhaltend
– Tapeten schützen

 

 

Einzelheiten
Aggression bei Kaninchen

Ihrer Natur nach sind Kaninchen soziale Gruppentiere. Selbstverständlich gibt es bei ihnen, wie bei uns Menschen ja auch, unterschiedliche Charaktere, manche sind sanftmütig und liebevoll, andere forsch und selbstbewusst in ihrem Wesen. Und wie bei uns Menschen gehört es auch bei Kaninchen zum völlig natürlichen Verhalten dazu, hinund wieder einmal sauer zu werden.

Problematisch wird es, wenn ein Tier über das normale Maß hinaus aggressiv ist. Es gibt viele Gründe und Ursachen, weshalb sich ein Kaninchen aggressiv verhält, sei es nun Artgenossen, Menschen oder auch Sachen gegenüber.
Aggression gegenüber Artgenossen
Kleinere Streitigkeiten, zum Beispiel leichter Futterneid oder auch Revierverhalten, gehören durchaus zum normalen Sozialverhalten aller Tiere, die in Gemeinschaften leben. Auch ein Kaninchen kann einfach mal schlechte Laune haben.
Krankheit und Schmerzen:

Wenn ein Kaninchen gewöhnlich ein freundliches Wesen hat und sich plötzlich ohne erkennbaren Grund aggressiv verhält, sollte man als Halter unbedingt nach der Ursache suchen. Häufig werden Kaninchen aggressiv, wenn sie krank sind und/oder Schmerzen haben, deshalb sollte man es am besten einem kompetenten Tierarzt vorstellen.

Sollte sich die Aggression plötzlich gegen einen bestimmten Artgenossen richten, mit dem es sich vorher gut verstanden hat, so muss man auch das angegriffene Tier genau beobachten und gegebenenfalls von einem Tierarzt untersuchen lassen. Unsere Hauskaninchen unterscheiden sich im Verhalten kaum von ihren wilden Vorfahren. Wildkaninchen verjagen kranke Tiere instinktiv aus ihrer Kolonie, da diese Fressfeinde anlocken könnten, und manche Heimkaninchen verhalten sich ebenso. Das hat nichts mit „böse“ zu tun, ein Kaninchen ist eben ein Kaninchen und verhält sich auch entsprechend.
Die Gruppenhierarchie:
Kaninchen haben in ihren Gruppen eine klare Rangordnung. Die Positionen werden durch gegenseitiges Jagen und Berammeln festgelegt, wenn sich Kaninchen zum ersten Mal begegnen oder ein neues Tier in eine bestehende Gruppe integriert wird. Dabei geht es oft recht ruppig zu, es wird gebissen und sich auch gegenseitig Fell ausgerissen. Dieses Verhalten ist normal und muss auch so sein, denn nur eine klare Rangordnung gibt den Tieren zukünftig Sicherheit und Geborgenheit. (Siehe dazu Thema „Vergesellschaftung“)
Manchmal kommt es auch später noch zu Unstimmigkeiten, z.B. wenn sie in ein anderes Revier umziehen oder wenn ein rangniederes Tier seine Chance wittert, aufzusteigen. Gerade im Frühling kann man mitunter beobachten, dass es Unruhen gibt, auch bei kastrierten Kaninchen, und die Positionen neu verteilt werden.
Weibliche Kaninchen neigen, wenn sie (schein)schwanger sind, zu einem starken Revierverhalten. Es kann durchaus passieren, dass sie in dieser Phase alles angreifen, was ihrem Nest zu nahe kommt – auch das Partnerkaninchen.
Woran kann es aber liegen, wenn ständig Streit unter den Kaninchen herrscht?
Wie kann man Abhilfe schaffen?
Geh mir aus den Augen, Blödmann:

Wenn in einer Gruppe ein Tier immer wieder ein spezielles anderes Kaninchen angreift, jagt, ihm das Fell ausreißt und es wegbeißt, jedoch bei keinem gesundheitliche Probleme vorliegen, dann sollte man sich überlegen, ob es nicht an der Konstellation liegt. Auch Kaninchen haben individuelle Vorlieben. So ist es möglich, dass sich zwei einfach nicht leiden können. Wenn sich diese Situation längere Zeit nicht ändert, sollte man sich überlegen, ob es nicht besser wäre, die Kaninchen zu trennen und in einer anderen Konstellation neu zu vergesellschaften. Es bedeutet für alle Beteiligten Stress, in ständiger Disharmonie zu leben.

Geräumige Wohnung für nette WG gesucht:
Ein anderer sehr wichtiger Punkt ist:
Kaninchen brauchen Platz! Je mehr sie zur Verfügung haben, desto entspannter wird sich das Zusammenleben gestalten. Manchmal suchen Kaninchen Ruhe und möchten sich zurückziehen können. Haben sie zu wenig Platz, dann bauen sich Aggressionen auf, wie man es ja auch von der Massentierhaltung her kennt.
Deshalb sollten Gehege großzügig bemessen und möglichst abwechslungsreich eingerichtet sein, mit Tunneln, Häuschen, erhöhten Sitzmöglichkeiten, Verstecken, frischen Zweigen zum Benagen, Kisten mit Erde oder Sand zum Buddeln…Hier sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt.
Das ist MEINE Möhre!:
Futter sollte stets ausreichend zur Verfügung stehen, ansonsten sind Aggressionen vorprogrammiert, weil jedes Kaninchen darum kämpfen wird, möglichst viel Nahrung zu ergattern. Dann wird es die anderen als Rivalen betrachten.
Mein Name ist Kaspar Hauser:
Ein weiterer Punkt ist eine fehlende Sozialisierung. Häufig stammen die Tiere aus verantwortungslosen Zuchten und Vermehrungen, wo sie als Ware „produziert“ werden. Die Elterntiere vegetieren in Einzelhaltung in engen Buchten vor sich hin. Die Jungen werden viel zu früh von der Mutter und den Geschwistern getrennt, weil sich „niedliche kleine Jungtiere“ besser in Zoogeschäften oder Bau- und Gartenmärkten verkaufen lassen. Im schlimmsten Fall verbringen sie nach dem Kauf ihr Leben allein in kleinen Käfigen im Kinderzimmer. Diese Kaninchen konnten niemals lernen, wie man sich Artgenossen gegenüber richtig verhält, und so kommt es zu echten Kommunikationsstörungen – sie wissen es einfach nicht besser. Solchen Tieren muss man mit viel Geduld begegnen und ihnen vor allem ein Partnertier zur Seite stellen, das möglichst ruhig und ausgeglichen ist, sich nicht allzu sehr vom Fehlverhalten beeindrucken lässt. Auf diese Weise kann es dem „Kaspar-Hauser-Kaninchen“ das normale Sozialverhalten beibringen. Kaninchen sind lernfähig, sie sehnen sich nach Gesellschaft der eigenen Art, deshalb muss und darf auch ein solches Tier nicht allein sein Leben fristen!
Aggression gegenüber Menschen
Immer wieder werden Kaninchen mit der Begründung im Tierheim abgegeben, sie seien „böse“, würden „kratzen und beißen“. In der Tat gibt es auch Fälle, in denen Kaninchen richtiggehend angreifen, sobald ein Mensch in ihre Nähe kommt. Sie beißen in Füße, Beine und einfach alles, was sie nur erreichen können. Wenn man bedenkt, dass Kaninchenzähne ohne Probleme Holz zernagen, wird einem klar, dass so etwas nicht nur unangenehm, sondern wirklich richtig schmerzhaft und blutig sein kann.
ABER:KEIN KANINCHEN IST VON NATUR AUS BÖSARTIG!
Wenn ein Kaninchen so aggressiv reagiert, dann ist die Ursache beim Menschen zu suchen. Es ist unbedingt notwendig, Kaninchen sowohl als Individuen als auch als Spezies mit bestimmten Eigenarten zu verstehen. Ein Kaninchen ist anpassungsfähig und kann enge Freundschaften zu seinen Menschen auf bauen. Aber es ist und bleibt ein Kaninchen, mit seiner eigenen, kaninchenspezifischen Weltsicht.
My home is my castle:
Kaninchen sind sehr revierbewusste Tiere. Gerade wenn es sein Leben in einem Käfig fristen muss, wird ein Kaninchen diesen als sein Territorium betrachten und verteidigen. Eine Hand, die plötzlich in diesen Käfig langt, ist ein Eindringling, der angegriffen und verjagt werden muss. Kaninchen erkennen einander vor allem am Geruch, weshalb starkes Parfum, Seife oder parfümierte Handcreme den Fremdheitseffekt noch verstärken. Wenn dann der Mensch seinerseits aggressiv reagiert, das Tier anschreit oder gar nach ihm schlägt, wird es lernen, den Menschen als Feind zu betrachten. Da es nicht ausweichen kann, handelt es nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“. Hat es das einmal gelernt, bleibt es oft sehr lange aggressiv, selbst wenn sich seine Lebensumstände verbessern und es das Glück hat, in ein neues, artgerechteres Zuhause mit mehr Platz zu kommen.
Respektiere mich!:
Auch wenn ein Kaninchen immer wieder gepiesackt und geärgert wird, kann es dadurch aggressiv werden. Wenn Kinder es zum „Spielen“ durch die Gegend zerren, ihm dabei durch unsachgemäße Behandlung vielleicht sogar Schmerzen zufügen, wird es sich früher oder später (verständlicherweise!) wehren und zubeißen. Auch ein Kind muss respektieren, dass Kaninchen ihren eigenen Willen haben.
Es braucht sehr viel Zeit, Verständnis, Einfühlungsvermögen und Ruhe, bis solche „scharf gemachten“ Tiere wieder ein gewisses Maß an Vertrauen zum Menschen aufbauen. Viele bleiben auch für den Rest ihres Lebens dem Menschen gegenüber zumindest reserviert.
Alles, alles will mich fressen:
Kaninchen sind Beutetiere mit zahlreichen Feinden, ob nun Fuchs, Marder, Greifvogel oder auch der Mensch. Wie jeder von uns will ein Kaninchen natürlich auch leben und wird alles tun, um sich zu schützen. Sogar im Schlaf ist es mit seinen Sinnen noch in Alarmbereitschaft. Die erste Strategie ist die Flucht. Wenn es nicht möglich ist, zu fliehen, so wird das Kaninchen mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, verzweifelt um sein Leben kämpfen.
Aus Sicht der Kaninchen betrachtet sind wir Menschen riesige Monster, selbst ein kleines Kind hat für ein Kaninchen noch die Dimensionen eines Mammuts. Deshalb sollte man sich ihm ruhig und langsam annähern, es an der Hand schnuppern lassen, um ihm zu zeigen, dass man keine bösen Absichten hegt.
Hektische Bewegungen, plötzliche Geräusche, Lärm ganz generell sowie fremde Personen und Gerüche lösen häufig den Fluchtinstinkt aus, das Kaninchen bekommt schlicht und ergreifend Todesangst. Eine Hand, die es plötzlich von oben greifen will, erinnert an die Klauen eines Raubvogels – ein schrecklicher Gedanke, wenn man sich einmal in das kleine Geschöpf hineinversetzt! Kann es nun nicht fliehen oder sich verstecken, weil es eingesperrt ist, bleibt ihm gar keine andere Wahl als Strategie Nummer zwei: der Angriff.
Versetzen Sie sich in das Tier hinein, betrachten Sie die Welt aus seiner Sicht, schenken Sie ihm Verständnis und geben Sie ihm Zeit, festzustellen, dass Sie ihm nichts Böses wollen. Mit Behutsamkeit und Geduld wird selbst ein traumatisiertes, sehr aggressives Kaninchen nach und nach von seiner defensiven, aus Angst geborenen Angriffslust ablassen.
Finger weg von meinen Kindern!:
Wenn ein Weibchen Junge hat, ist Vorsicht angebracht, denn es wird sein Nest und seine Babys vehement verteidigen. Muss das Nest kontrolliert werden, so sollte man vorher unbedingt auf Parfüms, Seife und Handcremes verzichten, weil die Kaninchenmutter sonst auch vertraute Personen nicht als solche erkennt und angreift. Am besten lenkt man sie zuvor liebevoll mit einem Leckerli ab und stört sie generell so wenig wie möglich. Im Übrigen verteidigen mitunter auch scheinschwangere Kaninchendamen ihr Nest und ihre imaginären Kinder ähnlich vehement!
„Interkulturelle“, nonverbale Kommunikation:
Lernen Sie, ihre Körpersprache zu verstehen. Kaninchen kommunizieren sehr deutlich, was sie möchten oder auch nicht und warnen häufig, bevor sie beißen oder kratzen. Wenn das Kaninchen mit angespannter, geduckter Körperhaltung den Kopf nach vorn in Ihre Richtung schiebt, die Ohren anlegt und das Schwänzchen aufstellt, ist es in einer deutlichen Angriffshaltung. Zieht man sich dann nicht zurück und lässt es in Ruhe, wird es knurren und meistens erst einmal einen kleinen Scheinangriff starten. Wird sein Wunsch immer noch nicht respektiert, darf man sich nicht wundern, wenn man nähere Bekanntschaft mit scharfen Zähnen und Krallen macht.
Aggression gegenüber Sachen und Zerstörungswut
Dieses Thema ist besonders in der Innenhaltung von Bedeutung. Manche Kaninchen legen eine erstaunliche Zerstörungswut an den Tag, es werden Tapeten abgerissen, Teppiche, Decken und Kleidungsstücke zerlöchert, Bücher zerfetzt oder Möbel angenagt. Richtig gefährlich wird es, wenn Stromkabel zerbissen werden.
Mir ist sooo langweilig:
Eine der Hauptursachen für solchen Vandalismus ist schlicht Langeweile. Kaninchen sind neugierige, lebhafte Tiere. Wenn sie in einer eintönigen Umgebung leben und nicht wissen, was sie machen sollen, suchen sie sich eben irgendeine Beschäftigung. Aus diesem Grund brauchen Kaninchen zum einen Artgenossen, mit denen sie kuscheln, springen und spielen können, zum anderen aber auch eine abwechslungsreiche Umgebung, die zum Erkunden und Entdecken einlädt. Man kann, anstatt ihnen das Futter einfach vor die Nase zu legen, Futtertunnel aufstellen oder es an verschiedenen Stellen verteilen, damit sie es suchen müssen. Ganz nebenbei wird dadurch auch die Verdauung angeregt und der Tendenz zu Fettleibigkeit entgegengewirkt.
Mit Sand oder Erde befüllte Buddelkisten, in denen sie ihren Buddeltrieb ausleben können, sind ebenfalls eine schöne Beschäftigungsmöglichkeit.
Eine andere Variante, für Abwechslung zu sorgen, ist auch, hin und wieder einfach einige Gegenstände umzustellen. Das weckt die Neugier, alles wird erkundet, mit dem Kinn abgerieben, um es zu markieren. Dann kann man oft beobachten, wie die Tiere rennen, Haken schlagen, Luftsprünge machen und sich danach zufrieden kuschelnd ausruhen.
Im nächsten Leben werde ich Biber:
Kaninchen gehören zwar zoologisch gesehen nicht zu den Nagetieren sondern zu den Hasenartigen, aber es ist unbestritten, dass sie trotzdem gern nagen und es wegen ihrer ein Leben lang wachsenden Zähne auch müssen. Fehlt geeignetes Nagematerial, dann suchen sie sich Ersatz; Türrahmen, Wandkanten, Teppiche, Möbel, …besonders schöne Möbelstücke aus Weichholz wie Birne sind erfahrungsgemäß sehr attraktiv.
Abhilfe kann hier das Bereitstellen von geeignetem Material wie frischen Ästen und Zweigen schaffen, die von Kaninchen sehr gern angenommen und zernagt werden. Auch „Sollbruchstellen“ wie Häuschen und Tunnel aus unbehandeltem Holz, an denen sie nagen dürfen, können helfen, den Rest der Einrichtung zu schützen.
Fluchtwege bitte freihalten:
Besonders beliebt ist das Durchtrennen von Elektrokabeln, und hier wird es wirklich gefährlich. Stromstöße können für das Kaninchen tödlich enden. Wenn unbemerkt Kabel zum Teil angeknabbert wurden und man unbedacht selbst an die Stelle fasst, kann das auch für den Halter fatale Folgen haben!
Den Grund dafür kann man bei den Wildkaninchen finden. Kaninchen sind Höhlenbewohner und ihre selbst gegrabenen Höhlensysteme sind beeindruckend weitläufig und verzweigt. Mitunter dringen aber Fressfeinde wie Marder in diese Höhlen ein und dann ist es überlebenswichtig, dass alle Wege frei sind, um schnell fliehen zu können. Wildkaninchen kontrollieren sehr regelmäßig die Tunnel, um jede Wurzel, die hineinwächst, sofort zu kappen. Kabel erinnern an Wurzeln, und hier liegt auch die Ursache, weshalb Kaninchen sie regelrecht zu suchen scheinen, um sie dann durchzubeißen.
Dies ist also ein instinktives Verhalten, das sich nicht abstellen lässt. Deshalb hilft nur eines: Alle Kabel müssen unbedingt so verlegt werden, dass die Kaninchen sie keinesfalls erreichen können.
Gib mir einen Sandsack oder ich erschieße meinen Chef:
Manchmal können Kaninchen auch richtige Wutanfälle bekommen und dann Dinge durch die Gegend werfen, den Boden zerkratzen oder Gegenstände sinnlos zerstören. Meistens ist das eine Übersprungshandlung, wenn der eigentliche Auslöser ihrer Wut nicht angegriffen werden kann oder wenn sie es nicht wollen. Man kann dieses Verhalten beobachten, wenn zum Beispiel ein rangniedriges Tier von einem ranghöheren verjagt wird. Es läuft weg und lässt seinen Frust an irgendetwas aus, was gerade erreichbar ist, da es sich nicht traut, den Chef herauszufordern. Auch wenn der Mensch etwas macht, was dem Kaninchen gerade nicht passt, wird mitunter randaliert. Fast jeder Kaninchenhalter kennt das vom Reinigen des Geheges her. Da wird die Kehrschaufel gepackt und weggeschleudert, der Staubsauger angegriffen, die gerade eben frisch befüllte Toilettenschüssel umgegraben,…
Dieses Verhalten mutet richtiggehend menschlich an und ist auch kein größerer Anlass zur Sorge. Hat das Kaninchen seinem Zorn Luft gemacht, wird es sich wieder beruhigen.
Kreative Wandgestaltung:
Weshalb es bei vielen Kaninchen so beliebt ist, Tapeten von den Wänden zu reißen und so ganze „Alpenpanoramen“ zu schaffen, lässt sich wiederum durch die Natur erklären. Tapeten an Wänden erinnern an die Rinde junger Bäume, die Kaninchen gern abschälen und fressen. Es scheint ihnen aber manchmal auch einfach nur Spaß zu machen. Die meisten Menschen teilen diesen kaninchenhaften Sinn für Ästhetik eher nicht und gerade in Mietwohnungen ist das auch problematisch. Selbst wenn man ihnen frische Zweige anbietet, hilft das oft nur bedingt. Hier sollte man die Wände schützen, zum Beispiel mit Plexiglasscheiben, wenn man nicht regelmäßig neu tapezieren möchte.